Eine Entdeckungsreise

Wer war Franz Kafka?

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“

Mit diesem Satz beginnt eine der berühmtesten Erzählungen der Welt: Die Verwandlung. Geschrieben hat ihn ein Versicherungsangestellter aus Prag, der nachts heimlich schrieb und wollte, dass man seine Texte nach seinem Tod verbrennt.

↓ Scrolle nach unten und entdecke sein Leben, seine Texte und seine Welt. Alles mit gepunkteter Linie kannst du antippen, dann bekommst du eine Erklärung. Kästen mit + öffnen sich beim Antippen.

Kapitel 1

Ein kurzes Leben in Prag

Franz Kafka lebte nur 40 Jahre: von 1883 bis 1924. Fast sein ganzes Leben verbrachte er in einer einzigen Stadt: Prag. Er sagte einmal, die Stadt lasse ihn nicht los: „Dieses Mütterchen hat Krallen.“

Schwarz-weiß-Porträt von Franz Kafka: ein schmales Gesicht mit dunklen Augen und großen Ohren, Anzug und gestreifte Krawatte
Das letzte bekannte Foto von Franz Kafka, um 1923. Quelle: Wikimedia Commons (gemeinfrei).
Prag Geburt · Schule · Arbeit · fast das ganze Leben Berlin Traumstadt · letztes Lebensjahr Wien / Kierling Sanatorium · Tod 1924 Riva (Italien) Reisen & Kuraufenthalte

Vereinfachte Karte – die Entfernungen stimmen nur ungefähr. Prag gehörte damals zu Österreich-Ungarn, ab 1918 zur neuen Tschechoslowakei.

  1. 1883Prag

    Geburt in der Altstadt

    Franz wird am 3. Juli als ältestes Kind von Hermann und Julie Kafka geboren. Die Familie ist jüdisch und spricht Deutsch – in einer Stadt, in der die meisten Menschen Tschechisch sprechen.

    Franz Kafka als etwa fünfjähriger Junge im Matrosenanzug neben einem großen Spielzeug-Schaf im Fotostudio
    Franz mit etwa 5 Jahren im Fotostudio, neben einem Spielzeug-Schaf. Quelle: Wikimedia Commons (gemeinfrei).
  2. 1889–1901Prag

    Schulzeit

    Strenge Schule, viel Druck. Franz ist ein guter, aber ängstlicher Schüler. Er hat ständig Angst, durchzufallen – dabei fällt er nie durch.

  3. 1901–1906Prag

    Jura-Studium

    Kafka will eigentlich etwas anderes, studiert aber Jura: das Fach, das dem Vater am wenigsten missfällt. Er lernt seinen besten Freund kennen: Max Brod.

  4. 1908Prag

    Der „Brotberuf“

    Kafka beginnt bei der Arbeiter-Unfall-Versicherung. Er kümmert sich um verletzte Fabrikarbeiter – und ist gut darin. Aber seine Leidenschaft ist das Schreiben, nachts, wenn alle schlafen.

  5. 1912Prag

    Die große Nacht

    In einer einzigen Nacht (22.–23. September) schreibt Kafka die Erzählung Das Urteil, acht Stunden ohne Pause. Danach weiß er: So will er schreiben. Im selben Herbst entsteht Die Verwandlung.

  6. 1912–1917Prag / Berlin

    Felice

    Kafka verlobt sich zweimal mit Felice Bauer aus Berlin – und löst die Verlobung beide Male. Er schreibt ihr hunderte Briefe. Beides zugleich, Ehemann und Schriftsteller, erscheint ihm unmöglich.

    Verlobungsfoto von 1917: Felice Bauer sitzt in weißer Bluse, Franz Kafka steht hinter ihr im hellen Anzug
    Das Verlobungsfoto: Franz und Felice, Budapest 1917. Quelle: Wikimedia Commons (gemeinfrei).
  7. 1917Prag

    Die Diagnose

    Kafka erfährt: Er hat . Eine Krankheit, die damals oft tödlich war.

  8. 1920Prag / Wien

    Milena

    Kafka schreibt mit der Journalistin Milena Jesenská aus Wien, die seine Texte als Erste ins Tschechische übersetzt. Seine Briefe an sie erschienen später als eigenes Buch: Briefe an Milena.

  9. 1923Berlin

    Endlich weg aus Prag

    Mit 40 zieht Kafka zum ersten Mal richtig von zu Hause weg: nach Berlin, zu Dora Diamant, seiner letzten Liebe. Es ist ein kurzes Glück – die Krankheit wird schlimmer.

  10. 1924Kierling bei Wien

    Tod mit 40 Jahren

    Kafka stirbt am 3. Juni in einem bei Wien. Wegen der kranken Kehle kann er am Ende kaum noch essen und sprechen. Er wird in Prag begraben.

  11. DanachWeltweit

    Der ungehorsame Freund

    Kafka hatte seinem Freund Max Brod befohlen, alle unveröffentlichten Texte zu verbrennen. Brod tat es nicht – er veröffentlichte sie. Nur deshalb kennen wir heute die Romane Der Process, Das Schloss und Der Verschollene.

Was denkst du?

Max Brod hat den letzten Willen seines besten Freundes ignoriert und der Welt damit Kafkas Werke geschenkt. Hat er richtig gehandelt? Was hättest du getan?


Kapitel 2

Der Mensch Kafka

Wenn man Kafkas düstere Texte liest, stellt man sich einen düsteren Menschen vor. Aber die Menschen, die ihn kannten, erzählen etwas anderes.

Größe
1,82 m – sehr groß und sehr dünn
Beruf
Jurist bei der Unfallversicherung (halbtags)
Leidenschaft
Schreiben, nachts zwischen 23 und 3 Uhr
Hobbys
Schwimmen, Rudern, Wandern, Kino
Ernährung
Lange Zeit Vegetarier (damals sehr ungewöhnlich)
Sprachen
Deutsch, Tschechisch, später lernte er Hebräisch

Ein Abend unter Freunden

Stell dir das Wohnzimmer einer Prager Wohnung vor, es ist spät. Ein kleiner Kreis von Freunden – Max Brod, Felix Weltsch, Oskar Baum – sitzt zusammen, und Kafka liest vor, was er gerade geschrieben hat. So haben seine Freunde viele seiner Texte zum ersten Mal gehört, lange bevor irgendetwas davon gedruckt war.

Max Brod erinnert sich an die erste Lesung aus dem Process: Die Freunde lachten, und Kafka lachte selbst so sehr, dass er immer wieder nicht weiterlesen konnte. Dabei ist das die Geschichte eines Mannes, der ohne Grund verhaftet und am Ende hingerichtet wird.

Was denkst du?

Wie kann man über eine so düstere Geschichte lachen? Lies den Anfang der Verwandlung in Kapitel 3 noch einmal laut – findest du Stellen, die (auch) komisch sind?

Stimmen über Kafka

Kurze Zitate von Menschen, die ihn wirklich kannten:

„Er war scheu, ängstlich, sanft und gut, aber die Bücher, die er schrieb, waren grausam und schmerzhaft.“

Milena Jesenská im Nachruf auf Kafka, Zeitung Národní listy, Prag, 6. Juni 1924 (aus dem Tschechischen übersetzt)

„Ich habe kein literarisches Interesse, sondern bestehe aus Literatur, ich bin nichts anderes und kann nichts anderes sein.“

Kafka über sich selbst, Brief an Felice Bauer, 1913
Der Brief an den Vater

1919 schreibt Kafka seinem Vater einen über 100 Seiten langen Brief. Er beginnt so:

„Liebster Vater, Du hast mich letzthin einmal gefragt, warum ich behaupte, ich hätte Furcht vor Dir.“

Der Vater, ein lauter und erfolgreicher Geschäftsmann, bekam den Brief nie zu lesen. Kafkas Mutter gab ihn nicht weiter. Der Brief zeigt, wie sehr Franz sich sein Leben lang klein und schwach fühlte neben diesem übermächtigen Vater. Dieses Gefühl steckt in vielen seiner Erzählungen, auch in der Verwandlung.

Kafka als Zeichner

Kafka hat nicht nur geschrieben, er hat auch gezeichnet: dünne, tanzende Strichmännchen, die springen, fechten, sich verbiegen. Lange waren die Zeichnungen verschollen – erst 2019 wurden sie in einem Banksafe in Zürich gefunden und dann in Israel veröffentlicht.

Tuschezeichnung von Franz Kafka: eine schwarze, dünne Figur sitzt zusammengesunken auf einem Stuhl, den Kopf auf den Arm gestützt
„Der Denker“, Tuschezeichnung von Franz Kafka. Quelle: Wikimedia Commons (gemeinfrei).
Kafka und die verlorene Puppe

Dora Diamant, Kafkas letzte Lebensgefährtin, erzählte später diese Geschichte aus Berlin: Im Park trifft Kafka ein kleines Mädchen, das weint, weil es seine Puppe verloren hat. Kafka erklärt ihr: Die Puppe ist nicht weg – sie ist nur verreist! Er weiß es genau, denn sie hat ihm einen Brief geschrieben.

Wochenlang schreibt der todkranke Kafka nun Briefe im Namen der Puppe und liest sie dem Mädchen vor: Die Puppe erlebt Abenteuer, verlobt sich, heiratet. So gibt die Geschichte dem Kind ein tröstliches Ende. Die Puppenbriefe selbst wurden nie gefunden. Aber die Anekdote zeigt einen Kafka, den seine Bücher gut verstecken: verspielt und liebevoll.

Nacherzählt nach den Erinnerungen von Dora Diamant.

Was denkst du?

Ein Mensch, der tagsüber im Büro Unfälle bearbeitet und nachts Weltliteratur schreibt. Passt das zusammen? Kennst du Menschen, die nach außen ganz anders wirken, als sie innen sind?


Kapitel 3

Die Verwandlung

Ein Mensch wacht auf und ist ein Käfer. Das ist der ganze „Trick“ der Geschichte, und er passiert im allerersten Satz.

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren verwandelt.“

Niemand in der Geschichte fragt, warum das passiert ist. Keine Erklärung, kein Zauber, keine Heilung. Stattdessen erzählt Kafka ganz nüchtern, was jetzt praktisch passiert: Gregor kommt zu spät zur Arbeit. Der Chef steht vor der Tür. Die Familie schämt sich.

Die Geschichte in 60 Sekunden

Gregor Samsa ernährt mit seinem verhassten Job als reisender Verkäufer die ganze Familie. Als er sich in einen Käfer verwandelt, kann er nicht mehr arbeiten – und die Familie, die von ihm gelebt hat, wendet sich Stück für Stück von ihm ab. Er wird in seinem Zimmer versteckt wie ein peinliches Geheimnis. Am Ende stirbt Gregor einsam. Die Familie ist vor allem erleichtert.

Worüber diese Geschichte „in echt“ redet

Wofür der Käfer steht, dazu gibt es viele Ideen. Hier sind drei, vielleicht fällt dir eine vierte ein.

1. Was bin ich wert, wenn ich nicht mehr „funktioniere“? Solange Gregor Geld verdient, ist er wichtig. Als er es nicht mehr kann, wird er zur Last. Die Geschichte fragt: Lieben wir Menschen – oder ihre Leistung?

2. Sich fremd fühlen im eigenen Zuhause. Gregor versteht alle, aber niemand versteht ihn mehr – seine Stimme klingt für die anderen wie Tiergeräusche. Viele Leserinnen und Leser kennen dieses Gefühl: dazugehören wollen und trotzdem als „anders“ behandelt werden.

3. Die Familie als Käfig. Kafka fühlte sich von seinem übermächtigen Vater klein gemacht. Auch in der Geschichte wirft der Vater mit Äpfeln nach dem Sohn.

Kafka wollte den Käfer nie zeigen

Als die Erzählung 1915 als Buch erscheinen sollte, schrieb Kafka an den Verlag eine dringende Bitte: Das Insekt selbst dürfe nicht auf dem Umschlag abgebildet werden – „nicht einmal von der Ferne“. Jeder Kopf soll sich sein eigenes Ungeziefer vorstellen. Auf dem Cover der ersten Ausgabe sieht man deshalb nur einen verzweifelten Mann vor einer offenen dunklen Tür.

Was denkst du?

Stell dir vor, du wachst morgen auf und kannst nicht mehr das tun, wofür alle dich kennen und brauchen. Wer bleibt dann bei dir – und warum?


Kapitel 4

Kostproben: Kafka im Original

Kafkas kürzeste Texte sind nur wenige Sätze lang und gehen trotzdem nicht mehr aus dem Kopf. Hier kannst du zwei komplett lesen. Die Texte sind über 100 Jahre alt, deshalb steht dort noch die alte Schreibweise („daß“ statt „dass“).

Kleine Fabel (komplett, 4 Sätze)

„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du mußt nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

Was denkst du?

Der Rat der Katze ist eigentlich richtig – und trotzdem frisst sie die Maus. Wer gibt dir Ratschläge, und wem nützen diese Ratschläge wirklich?

Gibs auf! (komplett)

Es war sehr früh am Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, daß es schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich mußte mich sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung ließ mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: „Von mir willst du den Weg erfahren?“ „Ja“, sagte ich, „da ich ihn selbst nicht finden kann.“ „Gibs auf, gibs auf“, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.

Übrigens: Den Titel „Gibs auf!“ hat sich Max Brod ausgedacht. Kafka selbst nannte den Text nur „Ein Kommentar“.

Vor dem Gesetz: Kafkas berühmteste Parabel

Diese kurze Geschichte steckt auch im Roman Der Process. Ein Mann vom Land will in „das Gesetz“ hinein, aber ein Türhüter steht davor. Der Mann wartet. Und wartet. Sein ganzes Leben lang.

„Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später werde eintreten dürfen. ‚Es ist möglich‘, sagt der Türhüter, ‚jetzt aber nicht.‘“

Erst als der Mann stirbt, erfährt er: Dieser Eingang war nur für ihn bestimmt. Jetzt wird er geschlossen. Den ganzen Text (ca. 3 Minuten Lesezeit) findest du auf Wikisource – dort gibt es ihn auch als kostenlose Hörversion.

Warum darf man diese Texte hier einfach lesen?

Kafka ist 1924 gestorben. Das gilt in Europa bis 70 Jahre nach dem Tod. Seit 1995 gehören Kafkas Texte deshalb allen. Man nennt das gemeinfrei. Jeder darf sie kostenlos lesen, kopieren und veröffentlichen.


Kapitel 5

Kafkas Welt: Prag um 1900

Um Kafka zu verstehen, hilft ein Blick auf seine Stadt. Prag um 1900 war eine Stadt mit drei Kulturen und voller Spannungen.

Kolorierte historische Ansicht der Karlsbrücke in Prag mit Brückenturm und Stadtsilhouette, um 1900
Die Karlsbrücke um 1900, ein sogenannter Photochrom-Druck: ein nachträglich eingefärbtes Schwarz-weiß-Foto. Quelle: Library of Congress / Wikimedia Commons (gemeinfrei).

Drei Gruppen, eine Stadt

In Prag lebten damals rund 415.000 Tschechen, etwa 10.000 deutschsprachige Nicht-Juden und dazwischen rund 25.000 Juden, von denen viele Deutsch sprachen, so wie Kafkas Familie. Kafka gehörte damit gleich doppelt zu einer : als Deutschsprachiger unter Tschechen, als Jude unter Christen. Das Gefühl, nirgendwo ganz dazuzugehören, kannte er aus seinem Alltag.

Sepiafarbenes Foto eines Hinterhofs im alten jüdischen Viertel Prags: Bewohner stehen auf Balkonen und im Hof, Wäsche hängt am Geländer
Hinterhof im alten jüdischen Viertel (Josefov), kurz bevor es um 1900 abgerissen und neu gebaut wurde. Foto: Jindřich Eckert, Wikimedia Commons (gemeinfrei).
Das Ende eines Riesenreichs

Kafka wurde als Bürger von Österreich-Ungarn geboren – einem riesigen Reich mit Kaiser, das von Wien aus regiert wurde und in dem über zehn Sprachen gesprochen wurden. Mitten in Kafkas Leben, 1914–1918, zerstörte der Erste Weltkrieg dieses Reich. 1918 wurde Prag plötzlich die Hauptstadt eines neuen Landes: der Tschechoslowakei. Kafka wechselte das Land, ohne umzuziehen.

Die riesigen, undurchschaubaren Ämter und Behörden dieses alten Reichs kannte Kafka gut – auch aus seinem eigenen Büro. In seinen Romanen werden sie zu Albtraum-Maschinen, gegen die ein Einzelner keine Chance hat.

Was heißt eigentlich „kafkaesk“?

Kafka ist einer der wenigen Menschen, aus deren Namen ein eigenes Wort geworden ist, in vielen Sprachen der Welt. Kafkaesk nennt man Situationen, die wie aus seinen Geschichten wirken: Man steckt in einem System fest, das mächtig und unlogisch ist, niemand erklärt einem die Regeln, und je mehr man sich wehrt, desto tiefer sitzt man drin.

Beispiel: Du brauchst ein Dokument von Amt A. Amt A sagt, dafür brauchst du erst ein Formular von Amt B. Amt B sagt: Das Formular gibt es nur mit dem Dokument von Amt A.

Was aus Kafkas Familie wurde

Kafka starb 1924 – und erlebte nicht mehr, was 15 Jahre später geschah. 1939 besetzte das nationalsozialistische Deutschland Prag. Kafkas drei Schwestern Elli, Valli und Ottla wurden als Jüdinnen deportiert und ermordet. Auch Milena Jesenská starb in einem Konzentrationslager, weil sie im Widerstand war. Max Brod entkam 1939 mit Kafkas Manuskripten im Koffer mit dem letzten Zug. Deshalb existieren die Texte heute noch.

Was denkst du?

Kafka lebte zwischen Sprachen und Kulturen und machte daraus Weltliteratur. Ist das Leben zwischen zwei Kulturen eher eine Last oder eine Stärke – oder beides?


Kapitel 6

Das Kafka-Quiz

Sechs Fragen. Mal sehen, was hängen geblieben ist. Tippe auf deine Antwort.

1. Womit verdiente Kafka sein Geld?

2. In was verwandelt sich Gregor Samsa?

3. Was sollte Max Brod mit Kafkas Texten machen?

4. Zu welchen Minderheiten gehörte Kafka in Prag?

5. Was bedeutet „kafkaesk“?

6. Wie alt wurde Franz Kafka?


Für Neugierige

Mehr entdecken

Wenn dich Kafka gepackt hat: Hier geht es weiter, alles kostenlos.

🎮 Playing Kafka

Ein Gratis-Spiel fürs Handy oder den PC (Goethe-Institut Prag): Du erlebst Der Process und den Brief an den Vater als Adventure, auf Deutsch spielbar. Zum Spiel

🎧 Die Verwandlung als Hörbuch

Die komplette Erzählung, kostenlos eingelesen bei LibriVox, gut zum Mitlesen. Zum Hörbuch

📖 Texte und Fundstücke

Fast alle Kurztexte Kafkas im Original auf Wikisource. Und auf franzkafka.de gibt es „99 Fundstücke“: kleine, überraschende Geschichten aus Kafkas Leben.

✍️ Originale sehen

Kafkas echte Handschriften, Briefe und Zeichnungen kannst du digital bei der Nationalbibliothek Israels ansehen.


Zum Schluss

Warum liest man Kafka heute noch?

Kafka verkaufte zu Lebzeiten kaum Bücher. Heute wird er auf der ganzen Welt gelesen, von Japan bis Argentinien. Vielleicht, weil seine Fragen nicht alt werden: Was bin ich wert? Wo gehöre ich hin? Wer bestimmt über mich, und warum?

Kafka selbst hat den besten Grund genannt, warum man überhaupt liest:

„Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“

Kafka, Brief an seinen Schulfreund Oskar Pollak, 1904

Letzte Frage

Welches Buch, welcher Film oder welcher Song war für dich schon einmal so eine „Axt“, etwas, das dich aufgewühlt hat?